Was Sorben von österreichischen Bauernfrauen lernen können

In den Jahrhunderten deutscher Feudalherrschaft wurde die sorbische Sprache unterdrückt. Sorben war es selbst verboten, Hunde oder Pferde zu halten. Die Aufklärung brachte dann Erleichterung. Auf eine kurze Blütezeit folgte wieder massiver Assimilierungsdruck im Jahrhundert der deutschen Diktaturen. Tausende Lausitzer Familien wurden unter Zwang germanisiert. Während des DDR-Regimes wurden über 70 Lausitzdörfer allein durch die Ausbeutung der Kohlevorkommen zerstört, was die Zersetzung des sorbischen Volkes trotz verfassungsrechtlicher Garantien kultureller Integrität beschleunigte. Auch heute ist die Lausitz weiter vom entfesselten Braunkohleabbau bedroht.

Und die guten Nachrichten? In über 1600 Jahren haben die Lausitzer eine reichhaltige interkulturelle Kompetenz erworben. Die Lausitz stellt mit Stanislav Tillich den ersten sorbischen Ministerpräsidenten. Wer Sorbe ist oder sein will, ist keine reine Abstammungsfrage mehr, sondern nach der Verfassung ein einfaches Bekenntnis. Hier schlummert eine grosse Chance für Lausitz. Neben der Braunkohle gibt es reiche Wasserresourcen. Auch wurden lukrative Kupfervorkommen und seltene Erden, die für die Elektroindustrie von strategischem Wert sind, in der Lausitz entdeckt. Die Lausitz ist also ein reiches Land. Es ist an den Sorben, die dieses Land schon seit Jahrhunderten kultiviert haben, nun eine faire und nachhaltige Verteilung dieses Reichtums zu fordern. Die einseitige Abschöpfung von Milliardenwerten aus der Region ohne angemessenen „Return“ muss beendet werden. Und genau deshalb gehört das Thema nicht nur in Berlin, sondern auch in Brüssel auf den Tisch.

Sie meinen, dazu fehlt den Sorben eine Lobby, dazu fehlen Mittel? Mitnichten, denn was niederösterreichische Bauernfrauen können, können wir auch. Die zogen ja nicht nur klagend mit ihrem regionalen Anliegen nach Brüssel. Nein, sie bringen dort seit einigen Jahren einen heimischen Christbaum als Geschenk hin und sorgen so für weihnachtlichen Glanz im EU-Parlament. Offiziell empfangen wurde der Christbaum diesmal vom Präsidenten des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Sie überlegen nun vielleicht, welche das Erinnern und die gemeinsame Zukunft befördernde kleine Gabe wir in Brüssel und anderswo hinterlassen könnten? Das kostet sicher nicht die Welt. Lassen Sie einfach die Gedanken spielen. Und Jerzy Buzek, der ist schon etwas im Bilde. Im November 2010 übernahm er ja erstmalig die Schirmherrschaft für ein sorbisches Projekt, die Internationale Konferenz sorbischer Musik in Cottbus. Daran lässt sich anknüpfen. Wo ein Wille ist, da öffnen sich Wege. Was meinen Sie?

Božemje und viele Grüsse vom Lausitzer aus Brüssel!
Ralph Thomas Kappler (Tomaš Kappa)

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  1. Maria

     

    Ich sehe das genauso wie Sie Herr Kappler, dass gehört definitiv in Brüssel auf den Tisch!

    #1 Kommentar vom 08. Januar 2011

  2. Stephan

     

    dito

    #2 Kommentar vom 09. Januar 2011

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