Was Sorben von österreichischen Bauernfrauen lernen können

Tomaš Kappa

von Ralph Thomas Kappler (Tomaš Kappa), Brüssel

Lassen Sie sich zum Jahresbeginn zu einem Gedankenspiel verführen. Was könnten Sorben wohl von niederösterreichischen Bäuerinnen lernen? Wie liesse sich wirkungsvoller Aufmerksamkeit für das kleinste Slawische Volk erreichen? Die Antwort liegt Ihnen nicht gleich auf der Zunge? Nach Jahrhunderten des aufrechten Ganges durch deutsche Geschichte sind nicht wenige Sorben einer melancholischen Innerlichkeit und bitterem Klagen verfallen. Ein Blick in das dezemberliche EU-Parlament von Brüssel könnte helfen, den Horizont zu weiten. Österreichische Bäuerinnen führen dort mit schlichtem Charme vor, wie sich Aufmerksamkeit auch für abgelegene Regionen bewirken lässt.

Vorab sei aber die verzwickte deutsch-sorbische Problematik in Erinnerung gerufen. Denn der Weg aus dem Schatten der Unmündigkeit führt nur über die Zumutung ungeschminkten Erinnerns. Wir erinnern uns also. Selbst nach über 20 Jahren der Deutschen Vereinigung gibt es noch keine demokratisch legitimierte Vertretung des sorbischen Volkes. Sämtliche Mittel werden noch von einer durch Deutsche dominierten Stiftung kontrolliert. Das widerspricht klar der EU-Politik. Die Erinnerung reicht weiter zurück. Ein Schlüsselereignis datiert auf das Jahr 939. Da hatte ein martialischer Markgraf unbekannter Herkunft durch mörderisches Kriegstreiben grosse Karierre gemacht. Den Aufstieg verdankte Markgraf Gero einem blutigen Gastmahl. Unter Vortäuschung friedvoller Absichten lud er dreißig Wendenfürsten zu einem Festmahl, nur um sie dann des nachts heimtückisch zu meucheln. Gero beraubte so die dem deutschen Expansiondrang widerstehenden Slawen der Führungsschicht. Über den letzten Kreuzzug Geros gegen Niederlausitzer Sorben im Jahr 963 n. Chr. berichtete der Chronist Widukind: „In dieser Zeit besiegte Markgraf Gero mit härtester Kampfführung die Slawen, welche sich Lusizer nennen und unterwarf sie sich vollständig, obgleich nicht ohne eigene schwere Verwundung und unter Verlust auch vieler anderer Männer.“ Sorben waren also damals couragiert.

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  1. Maria

     

    Ich sehe das genauso wie Sie Herr Kappler, dass gehört definitiv in Brüssel auf den Tisch!

    #1 Kommentar vom 08. Januar 2011

  2. Stephan

     

    dito

    #2 Kommentar vom 09. Januar 2011

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