Milena Vettraino zur Reform des Sorbischen National-Ensemble

Milena Vettraino, Geschäftsführerin und Intendantin des Sorbischen National-Ensembles (SNE) erklärt im Zusammenhang mit der öffentlichen Diskussion der vergangenen Tage und Wochen zur laufenden Umstrukturierung des SNE:

Ich habe Wirtschaftsprüfer in unser Haus bestellt, die die Betriebsführung der früheren Leitung des SNE unter die Lupe nehmen. Nachdem das SNE in der Vergangenheit wiederholt an den Rand der Insolvenz geführt wurde, müssen wir die gegenwärtige Krise so schnell wie möglich überwinden und aus alten Fehlern die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Wir können nicht erwarten, dass die Stiftung für das sorbische Volk dem SNE weiter mit Krediten hilft, über die Runden zu kommen. Aus meiner beruflichen Erfahrung als Orchester- und Ensemble-Managerin weiß ich, dass auch „Hochkultur“ verantwortlich mit den ihr anvertrauten Geldern umzugehen hat – das gebietet der Respekt vor Steuerzahlern wie Sponsoren. Und das gilt umso mehr in der heutigen Zeit, in der viele unserer Besucher selbst von sozialer Unsicherheit betroffen sind!

Das SNE leidet aber nicht nur unter einer finanziellen, sondern auch unter einer Sinnkrise. Mein vorrangiges Ziel besteht darin, unsere sorbische Sprache und die geschichtlichen Wurzeln in den Mittelpunkt zu rücken und aus dem Ensemble das zu machen, was es schon dem Namen nach zu sein hat – eine sorbische und im sorbischen Volk verankerte Stätte sorbischer Hochkultur. Wir brauchen keine Tanz-Sparte in einer Größe, die sich nicht einmal die Staatsoper in Dresden erlauben kann. Vielmehr brauchen wir Programme kleineren Formates, mit denen wir über die Dörfer fahren können, und Programme, die Traditionen,  Historie, Musik und regionale Geschichten vereinigen. Dabei wollen wir regionale Tänze und Lieder mehr als bisher erforschen und für die örtliche Bevölkerung erschließen.

Ich habe mir vorgenommen, im Sommer den Kontakt zu den vielen in Laiengruppen engagierten Menschen zu suchen und mit ihnen einen ständigen Dialog aufzubauen, damit sie größere Unterstützung unseres Sorbischen National-Ensembles bekommen können. Die Verbindung mit dem Publikum wollen wir auch dadurch vertiefen, dass wir am 5. September um 16 Uhr im großen Saal des SNE eine neue Reihe von Familienkonzerten eröffnen. Einmal monatlich werden Kindern, aber auch Erwachsenen Instrumente, Chor und Ballett vorgestellt. Der zweite Termin wird am 10. Oktober ebenfalls um 16 Uhr und am selben Ort stattfinden.

Auch die Unterstützung sorbischer Vereine wie z. B. des Sorbischen Künstlerbundes liegt mir sehr am Herzen, die sorbischen Potenziale müssen zusammengeführt werden! So unterstützen wir am 7. August um 19.45 Uhr das 32. Fest der sorbischen Poesie mit dem ganzen Chor und Orchester. Vorgestellt wird eines meiner liebsten Programme: die Blunoer Hochzeit! Auch eine neue Choreografie von Mia Facchinelli-Šiška wird mit den Mitgliedern des SNE-Balletts präsentiert.

Nicht zuletzt wollen wir den „sorbischen Geist“ im Ensemble kräftigen, das geht nicht ohne eine Vertiefung des Wissens über sorbische Kultur in unserem Haus selbst. Deshalb werde ich im Bereich der Dramaturgie Projektmittel für Forschung und Kompositionen einsetzen. Wer den Nachwuchs fördern will, muss sich künstlerischen Innovationen öffnen. Ich bin aufgrund meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit fest davon überzeugt: Was in der „großen“ Welt an Kreativität möglich ist, schaffen wir in unserer „kleinen“ sorbischen Welt dank der Kulturbegeisterung unzähliger Sorben und Partner anderer Nationalität erst recht. Dann wird das SNE wieder im eigentlichen Sinn des Wortes ein Bote des sorbischen Volkes – allen potenziell an unserer Kultur Interessierten in Nah und Fern!

Quelle: Pressemitteilung der sne-gmbh


  1. Pressemitteilung der DOV

     

    Die jüngsten Äußerungen der neuen Intendantin des Sorbischen National-Ensembles Bautzen (SNE) Milena Vettraino haben Empörung bei den im SNE vertretenen Gewerkschaften hervorgerufen. “Angesichts des aktuellen Stellenabbaus von ca. 1/3 der Ensemblemitglieder von einer Sinnkrise des SNE zu sprechen, ist ein unerhörter Skandal, der seinesgleichen sucht”, ärgert sich Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV).

    “Weder die neue Geschäftsführung noch der Aufsichtsrat haben es bislang für nötig befunden, auf die mehrfachen Verhandlungsangebote der Beschäftigten einzugehen, um durch dauerhafte Einsparungen die künstlerische Leistungsfähigkeit zu erhalten. Nicht einmal eine Eingangsbestätigung haben wir erhalten. Stattdessen werden die bisherigen Leistungen des Ensembles jetzt auch noch herab gewürdigt”, so Mertens weiter.

    “Selbstverständlich gehören die Auftritte in der sorbischen Region zu den Hauptaufgaben des SNE. Es war jedoch die Stiftung für das Sorbische Volk, die angesichts der von ihr selbst zu verantwortenden unzureichenden Finanzierung des SNE die damalige Geschäftsführung unmissverständlich aufgefordert hat, die Eigeneinnahmen zu erhöhen, was sodann zwangsläufig zu einer Ausweitung der Gastspieltätigkeit in die westlichen Bundesländer führte. Dies den Beschäftigten jetzt auch noch vorzuwerfen, ist geradezu unverschämt. Darüber hinaus wird mit falschen Zahlen operiert, wenn die Intendantin öffentlich behauptet, dass das Ballett am SNE mit 26 Planstellen größer sei als an der Dresdner Staatsoper. Tatsächlich verfügt das dortige Ballett aktuell über 58 Planstellen”.

    “Es entbehrt auch nicht einer gewissen Pikanterie, dass Frau Vettraino, die sich als Leiterin der vom Stiftungsrat installierten Arbeitsgruppe “Sorbische Kunst” für die Personalreduzierung ausgesprochen hat, nunmehr ohne öffentliche Ausschreibung einen Anstellungsvertrag als Geschäftsführerin und Intendantin erhalten hat. Demgegenüber war der vormalige Intendant in Personalunion gleichzeitig auch musikalischer Leiter”, so Mertens abschließend.
    Quelle: http://www.deutsche-orchestervereinigung.online.de

    #1 Kommentar vom 28. Juni 2010

  2. R. Lößnitz

     

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    http://www.youtube.com/watch?v=G20kixOjrM0

    -konnte es gar nicht besser treffen, Schadzowanka 2011 (Glückwunsch für so eine saubere Kritik).

    Wenn Frau Vettraino sorbische Kunst lieben und leben würde, dann würde sie sich nicht so verhalten. “Ein Geier ohne Charakter”

    Ja, für mich ist das Thema nicht mehr nachvollziehbar.
    Und so etwas lässt man gewähren. Dann ist es ja so gewollt und es halten einfach zu viele still.

    Mit freundlichen Grüßen an alle Menschen!

    #2 Kommentar vom 22. November 2011

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