Kirchengemeinde Ostro bangt um ihren Pfarrer Tomaš Dawidowski

Der Dresdner Bischof Reinelt will der sorbischen Gemeinde von Ostro (Wotrow) ihren beliebten Pfarrer Tomaš Dawidowski nehmen, der perfekt sorbisch gelernt hat und daher in der gegenwärtigen Existenzkrise der sorbischen Sprache im öffentlichen Raum gewissermaßen zu den Felsen in der Brandung gehört.

Diese Entscheidung des Bischofs – Versetzung von Pfarrer Dawidowski zum 1.9. ins Vogtland – reiht sich leider in die von Martin Walde in seinem aktuellen Buch “Wie man seine Sprache hassen lernt” beschriebenen antisorbischen Maßnahmen der katholischen Obrigkeit in der Geschichte ein und setzt sie in der Gegenwart fort.

In meinem sorbischen Blog habe ich (Anm. d. R.: Marcel Braumann) mich in sorbischer Sprache der konkreten Problematik gewidmet und einen Bezug zu der – in Deutsch zitierten – Forderung des ehemaligen Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland, des hoch geschätzten früheren sächsischen Wissenschaftsministers Hans Joachim Meyer, hergestellt, die Laien in der Kirche an personalpolitischen Entscheidungen zu beteiligen.

Die Kirchengemeinde in Ostro trifft sich aufgrund der vom Bischof herbeigeführten Notlage jeden Montagabend um 19 Uhr zu einem besonderen gemeinsamen Gebet, zu dem der Pfarrgemeinderat eingeladen hat.

Dieser Text wurde von Marcel Braumann, dem Autor von piwarc.wordpress.com verfasst


  1. Dr. Joachim Fischer

     

    Die gleiche Problematik haben wir doch auch in Rumänien. Auch dort drängt die katholische Kirche darauf, dass sich die ungarischsprachigen Csangos (in Moldaugebiet) romanisieren lassen.
    Im Banat hat sie bis 1919 das gleiche mit den deutschen betrieben, die Ungarn werden sollten. Welche Politik steht dahinter?

    #1 Kommentar vom 21. Juli 2010

  2. Marcel Braumann

     

    Eine zentralistische Organisation arbeitet am liebsten mit Zentralregierungen zusammen. Minderheiten, die keine Staatsmacht hinter sich haben, sind kirchenpolitisch günstigstenfalls uninteressant, im Zweifel irgendwie störend. Die Kirche versucht also deckungsgleich mit staatlichen Gebliden zu operieren, manchmal kommt sie allerdings mit den Entwicklungen nicht ganz mit.

    So leistet sich die deutsche katholische Kirche ein Bistum Görlitz mit dem ganzen dazugehörigen Apparat für 30.000 (!) Katholiken, obwohl das seit Verlust seines alten Bezugspunktes Breslau und den Grenzen seit 1945 eigentlich als eigenständiges Gebilde überflüssig ist.

    Die katholischen Sorben sind dagegen 1) auf das Bistum Dresden-Meißen und Görlitz (mit der Gemeinde Wittichenau) aufgeteilt und dienen 2) in doppelter Hinsicht als personelle Reserve: a) gab und gibt es sorbische Geistliche als Seelsorger in deutschen Gemeinden, aber nicht umgekehrt sorbischsprechende Pfarrer deutscher Herkunft im Sorbenland selbst, b) sind die katholischen Sorben in beiden Bistümern rein zahlenmääßig und in ihrer Kirchenbindung eine maßgebliche Stütze des gesamten Bistums – im Übrigen auch als Kirchensteuerzahler.

    Deshalb findet der Bischof auch nichts dabei, mal eben eine der wenigen sorbisch-katholischen Gemeinden faktisch zu zerstören, um Personalprobleme im Vogtland zu lösen, an denen ja nun die Sorben beim besten Willen nicht schuld sind. Dass er dies in einer Situation tut, in der die sorbische Sprache historisch einzigartig gefährdet ist, spricht für sich – und gegen die Entscheidung des Bischofs.

    #2 Kommentar vom 21. Juli 2010

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