Hunderte Sorben demonstrieren in Berlin

Ein Novum gab es am 29. Mai 2008: Die Sorben, eine slawische Minderheit mit rund 60000 Angehörigen in der Ober- und Niederlausitz, organisierten ihre erste Demonstration in Berlin. Dem Aufruf der Initiativgruppe von Betriebs- und Personalräten sorbischer Institutionen folgten mehr als 500 Menschen. Sie versammelten sich auf dem Berliner Bebelplatz und zogen dann die Straße Unter den Linden entlang bis zum Brandenburger Tor, wo mehrere Redner – darunter der Staatsminister a. D. für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer , Domowina-Vorsitzender Jan Nuck, Bundestagsabgeordnete der CDU, der SPD, von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Linken – die Forderungen nach einer langfristigen und auskömmlichen Finanzierung der sorbischen institutionellen und Projektarbeit unterstützten. Die Stiftung für das Sorbische Volk müsse mit jährlich mindestens 16,4 Millionen Euro unterstützt werden, verlangte der Domowina-Vorsitzende Jan Nuck. Das wären 800.000 Euro mehr als bisher zugesagt. Die Domowina ist der Dachverband sorbischer Vereine.

Der sorbische Autor und Publizist Jurij Koch sagte unter anderem: „Wir werden keine unserer unikaten Institutionen, die wir uns im Laufe von Jahrzehnten erstritten und erkämpft haben, freiwillig hergeben. Wir demonstrieren hier nicht nur für unser kulturelles Überleben als slawische Volksgruppe, wir sind gekommen, um das Ansehen unseres Mutter- und Vaterlandes Deutschland zu schützen. Es läuft Gefahr, jedes Recht zu verspielen, weltweit als Einforderer von Menschenrechten und Minderheitenschutz aufzutreten, wenn es im eigenen Land nicht in der Lage ist, einer Minderheit mit 1400-jähriger Geschichte in Sachsen und Brandenburg soviel geistige Nahrung zu bewilligen, dass sie noch ein Weilchen in Würde leben kann.“

Künstler des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und des Sorbischen Nationalensembles gestalteten den kulturellen Rahmen.

Wie die Presse berichtete, war der Haushalt der Stiftung für das sorbische Volk im März mit 15,6 Millionen Euro beschlossen worden. Einen Tag vor der Demonstration hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages überraschend gesperrte Fördergelder in Höhe von 2,6 Millionen Euro freigegeben. Daraufhin hatte auch Brandenburg angekündigt, seine gesperrten Zuschüsse von 600.000 Euro freizugeben. Sachsen als dritter Förderer kündigte unterdessen an, seine finanzielle Unterstützung für die Sorben zu erhöhen. In den Stiftungshaushalt sollen bis 2012 jährlich 100.000 Euro mehr fließen, hieß es im Freistaat. Nach der Mitteilung des sächsischen Kultusministeriums hätte die Stiftung dann im Jahr 2012 rund 16 Millionen Euro zur Verfügung. Brandenburg hat bislang keine Entscheidung über eine Erhöhung der Zuwendungen getroffen. Bisher kommen vom Bund jährlich 7,6 Millionen Euro, von Sachsen 5,45 Millionen Euro und von Brandenburg 2,57 Millionen Euro. Wenn der Zuschuss in den kommenden Jahren gemäß dem vorliegenden Angebot erfolgen würde, ergibt sich ein jährlich steigendes Defizit, das 2012 2,8 Millionen Euro beträgt. Dieses könnte nur durch Schließung einer größeren Institution (55 Stellen) kompensiert werden. Deshalb sind die Sorben entschlossen, weiter um ein den erforderlichen Rahmenbedingungen entsprechendes finanzielles Budget der Stiftung zu kämpfen.
Zusammenfassung: Bärbel Felber
Quelle: Domowina


  1. Gerd Conradt

     

    Liebe Sorbische Freunde und Freundinnen,

    als Spreeforscher, Autor und Filmemacher, möchte ich Euch auf den SPREETAG im Gasthaus Locus in Berlin Kreuzberg, Marheineke Platz (U-Bahn Gneisenaustr.) aufmerksam machen. Am Donnerstag, den 18.11.2010 gibt es dort ab 12 Uhr sorbische und spreewälder Küche und um 20.30 ein Kulturprogramm – Lesung und Film.
    Wir, Hedwig Korte und ich, lesen aus unserem Buch “An der Spree, der Fluss, die Menschen” (in dem auch ein großer Beitrag über die Sorben ist) und zeigen Teile vom Film “Die Spree – Sinfonie eines Flusses”. Eintritt 3 €.
    Diese Ankündigung kommt sehr kurzfristig, dafür bitte ich um Entschuldigung aber wir würden uns sehr freuen, wenn einige kommen könnten.

    Ahoi, herzliche Grüße

    Gerd Conradt

    Ps. Die Speisekarten ist wirklich lecker!

    #1 Kommentar vom 16. November 2010

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