Gedanken zum 70. von Dr. phil.habil Peter Kroh

von Karl-Wilhelm Wolff

Bin ich mir, der ich ein Deutscher bin (zumindest laut meinem Personalausweis), eigentlich über mein Verhältnis zu den Sorben im heutigen deutschen Bundesstaat im klaren? Für mich waren die Sorben etwas Exotisches, wenn ich an meine Kindheit und die bemalten Ostereier denke. Lange hat es gedauert, bis sich mein Bild veränderte – es gab für mich keine Notwendigkeit. Und dennoch war da immer etwas, was anders war. Eigentlich war es der Zufall, der mich aufmerksam machte, dass da in der Lausitz ein eigenes, wenn auch kleines Volk der Wenden lebt. Dieser Zufall heißt Peter Kroh. Ein Sorbe in Deutschland. Nicht nur gefühlsmäßig, sondern mit wachem Verstand. Herzblut heißt die Tinte, mit der er sich für die Sorben, sein Volk, einsetzt. Er hat Bücher geschrieben, ist Autor von wissenschaftlichen Artikeln, zeichnet als Herausgeber von bedeutsamen Schriften verantwortlich – in beiden sorbischen Sprachen.
Wir haben uns kennengelernt im reiferen Alter, haben festgestellt, dass uns viel verbindet, nichts aber uns trennt. Die gleiche Lebensschule hat zumindest gleichwertige Spuren in unseren Leben hinterlassen. Seine Klugheit, sein wissenschaftliches Herangehen an Probleme, sein Humor und seine schöpferische Unruhe sind mit einer tiefen Liebe zu den Sorben gepaart. Es ist sein wendisches Volk, das seit Jahrhunderten um Anerkennung und Recht kämpft. Wohl wissend, dass es kein leichter Kampf ist, stellt er sich mit seinen Waffen seinem Volk zur Verfügung.
Sein Leben war und ist gezeichnet von politischer Parteinahme. Das galt und gilt sowohl für seine Tätigkeit in einem „ernsthaften“ Beruf als Schlosser, als Student und als Hochschullehrer, aber auch als „freischaffender“ Rentner. Er kennt seinen Wert als unfreiwilliger Bürger der deutschen Bundesrepublik, weiß wohl, welchen Platz er einnimmt. Doch in diesen Grenzen ist er aktiv – kritisch, aber offen. Wer sich ihm nähert, hat damit zu rechnen, dass er nach Standpunkten gefragt wird. Jedenfalls leistet er seinen Beitrag zur Beantwortung der Frage: Wer ist das kleine Volk der Sorben, welches inmitten der Deutschen lebt?
Peter Kroh beantwortet diese Frage klipp und klar: Die friedfertigen Sorben leben länger als die Deutschen in der Lausitz. Die Geschichte der Sorben weist Vieles auf: Kein Krieg, dafür lebhafte Kultur, Beiträge zur Wissenschaft, zur Ethik und Moral. Mit wissenschaftlicher Akribie untersucht er die Möglichkeiten des Zusammenlebens von Deutschen und Sorben, eines gleichberechtigten Lebens. Das ist um so wichtiger, als das nach der politischen Wende die Chancen für die Zukunft der Sorben nicht größer, sondern kleiner geworden sind.
In seinen Schriften weist er nach, wie abgegebene Versicherungen (einschließlich der Verfassung des Landes Brandenburg) unterlaufen werden, die doch die Rechte der sorbischen Wenden schützen sollen. Ohne Übertreibung kann man sagen: Dr. phil.habil Peter Kroh ist ein Anwalt seines Volkes.
Pünktlich, so könnte man meinen, erscheint zu senem 70. Geburtstag sein dreispachiges Buch „Die Lausitzer Slawen. Ein Rückblick in die Zukunft.“
Du hast mich, lieber Freund, zu einem überzeugten Freund deines sorbischen Volkes werden lassen.

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum.

Karl-Wilhelm Wolff

(Neubrandenburg im Februar2014)


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