Eröffnung der Ausstellung „Mit Fortuna übers Meer. Sachsen und Dänemark – Ehen und Allianzen im Spiegel der Kunst“ durch Königin Margrethe II und Ministerpräsident Tillich

Rede des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich:

Stanislaw Tillich und Margrethe 2. von Dänemark

Stanislaw Tillich und Margrethe 2. von Dänemark vor der Frauenkirche

Majestät, Sie haben sehr anschaulich geschildert, wie der dänische König Frederik IV. vor genau 300 Jahren nach Dresden kam, um seinen Vetter August den Starken zu besuchen. Sie, Majestät, sind bereits zum zweiten Mal in Sachsen zu Gast. Das ehrt und freut uns sehr!

Das letzte Mal haben Sie 1994 den Freistaat Sachsen besucht. Damals war die Innenstadt von Dresden an vielen Stellen noch grau, die Frauenkirche eine Ruine, das Residenzschloss zerstört.

Heute hat Dresden eine wunderschöne Innenstadt, in der die Zeugen der Geschichte wieder in voller Pracht erstrahlen.

20 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist das der beste Beweis, dass wir Sachsen unser Land mit Erfolg vorangebracht haben.

Ich bin stolz, Ihnen unser schönes Sachsen zeigen zu dürfen!

Wir Sachsen schöpfen Kraft und Kreativität aus unserer langen Kulturgeschichte und unseren Traditionen. Ohne Vergangenheit kann es keine Zukunft geben. Eine Kultur, die uns mit vielen Ländern Europas verbindet: besonders mit Dänemark, wie diese Ausstellung beweist.

Majestät, Sie haben darauf hingewiesen: Das Treffen von August dem Starken und Frederik IV. diente nicht nur der Prachtentfaltung. Es diente auch der Diplomatie und dem Frieden. In Renaissance und Barock waren Sachsen und Dänemark 200 Jahre lang im europäischen Konzert der Mächte enge Partner.

Vieles ist heute einfacher geworden: Nach Jahrhunderten voller Krieg blicken wir auf eine mehr als 60-jährige Friedensperiode zurück. Deutschland, Sachsen und Dänemark sind in der EU verlässliche Partner. Heute gilt es für alle: Jeder Bürger kann zur europäischen Verständigung beitragen, damit Europa weiter zusammenwächst.

Mit den Verbindungen zu Zeiten August des Starken und Frederik IV. können wir an eine gesamteuropäische Geschichte anknüpfen. Sie blickten beide auf gleicher Augenhöhe in Richtung St. Petersburg oder Warschau. Sie haben unsere osteuropäischen Nachbarn als gleichberechtigte Partner gesehen. Ein Blick, der heute manchmal noch geübt werden muss.

Majestät, verehrte Gäste,

gerade haben wir Musik des Dresdner Komponisten Heinrich Schütz gehört. Sachsens großer Barock-Komponist schrieb dieses Stück für eine dänische Hochzeit. Und über unsere Schultern hier in der Fürstengalerie blicken sächsische Herrscher. Dieses sächsische Fürstenhaus wäre undenkbar ohne dänische Mütter, Ehefrauen und Prinzessinnen.

Mit Hochachtung sollten wir auf diese Epoche zurückblicken.

Mit und in dieser Ausstellung wird das ein Vergnügen sein. Im alltäglichen Leben werden wir dafür arbeiten, der europäischen Partnerschaft unserer beiden Länder weiter Auftrieb zu geben.

Ich wünsche der Ausstellung hier in Dresden und im Schloss Rosenborg viel Erfolg!
Möge sie viele dänische und deutsche, ja vor allem europäische Besucher haben und unsere gemeinsame Identität stärken!

Vielen Dank.
Rede I.M. Königin Margrethe II von Dänemark:

Margrethe 2. von Dänemark

Margrethe 2. von Dänemark

Vor etwas mehr als dreihundert Jahren rollte eine prachtvolle Karawane gemächlich über die Alpen von Norditalien nach Dänemark. An der Spitze des Zuges befand sich der dänische König Frederik IV. Er war mit seinem etwa hundert Mann starken Gefolge nach einem langwierigen Besuch in Italien auf dem Heimweg nach Dänemark. Er hatte von seinem Vetter August dem Starken eine Einladung zu einem Gastaufenthalt in Dresden erhalten. Aus diesem Gastaufenthalt wurde ein ausuferndes Fest! Beide Regenten liebten Prunk und Pracht, und in diesem Sinn verliefen die Wochen mit Festmahlzeiten, Wettkämpfen, Aufzügen und Feuerwerk.

Dass die beiden Fürstenhäuser schon immer Kunst und Kultur hoch geschätzt haben, werden wir gleich in dieser Ausstellung sehen. Wenn wir nach dreihundert Jahren an diesen Anlass erinnern, tun wir das auch deswegen, weil die feierwütigen Herren auch über ernsthafte Anliegen debattierten. Der große Nordische Krieg hatte Nordeuropa über Jahre verwüstet. Dörfer lagen in Schutt und Asche, ihre Bewohner nagten am Hungertuch und unzählige Menschen waren gestorben.

Die beiden Vettern waren sich daher einig, dass etwas gegen das Unheil unternommen werden musste. Diplomaten spielten bei diesem Zusammenkommen eine genauso wichtige Rolle wie Zeremonienmeister. Bevor Frederik IV. und August der Starke auseinandergingen, hatten die beiden einen Pakt geschlossen, der die Grundlage für das Ende des Krieges in Nordeuropa schuf.

Das ist ein guter Grund, heute, nach genau dreihundert Jahren, dieses königlichen Treffens zu gedenken!
Ein wichtiger Hintergrund für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Dänemark und Sachsen waren die dynastischen Allianzen, über die die Ausstellung, die wir gleich sehen werden, erzählt. Sie vereint Ausstellungsgegenstände zweier Sammlungen, die nicht nur für sich einzigartig sind, sondern die darüber hinaus auch noch die einzigen königlichen Kunstsammlungen Europas sind, die sich noch an ihren Original-Ausstellungsorten befinden – nämlich im Kopenhagener Schloss Rosenborg und im Dresdner Grünen Gewölbe.

Die dänischsächsischen kulturellen Beziehungen gehen natürlich weit über den Besuch Frederiks IV. und die ehelichen Allianzen hinaus. Eines unter vielen Beispielen hierfür sind die gegenseitigen musikalischen Inspirationen. Aus Dresden kam 1633 der Komponist Heinrich Schütz nach Dänemark und genau dreihundert Jahre später der Dirigent Fritz Busch. Beide haben eine wichtige Rolle für das dänische Musikleben gespielt, ein Musikleben, das tief mit dem des sächsischen verwurzelt ist. Des Weiteren hat einer der wichtigsten dänischen Architekten, Nikolai Eigtved, seine Ausbildung von den Baumeistern Augusts des Starken bekommen. Seine Bauten prägen heute das Kopenhagener Stadtbild. Nicht zu vergessen ist ebenfalls Hans Christian Andersen, der so oft in Dresden zu Besuch war, dass er Dresden eine Stadt nannte, “die wie ein guter Freund ist, den man nicht verlassen will“.

In diesem Jahr wird das zwanzigjährige Jubiläum des Mauerfalls gefeiert. Neue Zeiten eignen sich hervorragend, um alte Freundschaften aufzufrischen. Es ist mir daher eine Freude, darauf hinweisen zu können, dass man dieser Tage viele kulturelle Glanzlichter aus Dänemark in Sachsen zu Gesicht bekommen kann. Das königlich dänische Ballet führt an der Semperoper ein Gastspiel auf, das Dänische Nationale Symphonie Orchester spielt in der Frauenkirche, und die Kunsthalle Chemnitz zeigt Skulpturen des dänischen Künstlers Bjørn Nørgaard.

Lassen Sie uns von Frederik IV., August dem Starken und all den genannten Kulturschaffenden inspirieren, auf dass der Kulturaustausch zwischen Dänemark und Sachsen weiterhin seine Früchte trägt!

Textquelle: Pressemitteilung der Sächsischen Staatskanzlei


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